Unterwegs,  Autofahren

Alles rund ums Fahren

Inhaltsverzeichnis:
Highways und Interstates
Mautstraßen
Scenic Byways
Parken
Tanken
Imperiales System
Polizeikontrollen
Verkehrsregeln USA und Unterschiede zu Deutschland
Pool Lanes
Schulbusse
Tempolimits

Highways und Interstates

Highways werden gerne als amerikanisches Gegenstück zu unserer Autobahnen genannt, sind aber lediglich Landes- oder Bundesstraßen, konzipiert für Überlandfahrten. Die Bezeichnung setzt sich aus dem Kürzel US (bei Bundesstraßen) oder dem Kürzel des Bundesstaates (bei Landesstraßen, z.B. GA für Georgia), der jeweiligen Straßennummer, sowie der Fahrtrichtung zusammen und werden durch die entsprechenden Bundesstaaten unterhalten. Highways können auf verschiedene Arten ausgebaut sein – einspurig, mehrspurig, baulich getrennt oder auch mit mittig liegender Abbiegespur:

Interstate Highways werden gemeinsam durch den jeweiligen Staat, aber auch durch die Bundesregierung verwaltet. Die Bezeichnung besteht aus dem Buchstaben I, der Straßennummer und der Fahrtrichtung. Interstates in Ost-West-Richtung besitzen gerade Straßennummern, in Nord-Süd-Richtung sind sie ungerade.

Freeways letztendlich sind unserem Konzept der Autobahn gleichzusetzen und dienen dem schnellen Vorwärtskommen. Sie sind separiert vom restlichen Straßenverkehr, sind nur über Auf- und Abfahrten zu erreichen und besitzen eine bauliche Trennung (z.B. Betonmauern oder ein breiter Grünstreifen) zwischen den aus mehreren Fahrspuren bestehenden Richtungsfahrbahnen.
Praktisch alle Freeways sind Interstate Highways, aber nicht alle Interstate Highways sind Freeways!

Die Fahrtrichtung wird in Form der vier Himmelsrichtungen angegeben. Fahrt ihr z.B. von Los Angeles nach Las Vegas, nutzt ihr den Freeway I-15N, also die Interstate 15 in nördliche Richtung.

Achtung: Ausfahrten können sowohl rechts, als auch links sein!

Interstate- und Freeway-Ausfahrten können sich sowohl wie gewohnt rechtseitig der Richtungsfahrbahn, aber auch ganz links befinden, also neben der „Überholspur“. Da größere Freeways schonmal sechs oder mehr Fahrstreifen je Richtung haben können, sollte man sich rechtzeitig einordnen!

Mautstraßen

Nicht alle Straßen lassen sich in den USA kostenlos befahren: einige Routen oder auch Brücken kosten eine zusätzliche Gebühr, wenn man diese nutzen möchte. In der Regel dient dies dem schnelleren Vorwärtskommen, denn manche Mautstrecken ersparen euch lange Umwege. Meistens versuchen wir, Mautstrecken zu vermeiden, wir haben ja schließlich Zeit und wollen was sehen, aber hin und wieder lohnt es, über die Abkürzung nachzudenken- insbesondere dann, wenn der Umweg deutlich länger wäre und man die Mautgebühr letztendlich doppelt in Form von verfahrenem Sprit zahlen muss.

Da das Thema „Maut“ in den USA leider nicht einheitlich geregelt und sich deshalb nicht in einem Absatz erklären lässt, haben wir hierfür einen eigenen Artikel verfasst:

Mautsysteme erklärt

Scenic Byways

Manche Strecken sind schöner zu fahren als andere. Das haben auch die örtlichen Verkehrsplaner und Tourismusbehörden erkannt und viele besonders malerische Routen zu sogenannten Scenic Byways erklärt, die häufig auch besonders ausgeschildert sind.

Unsere klare Empfehlung ist: wenn ihr die Möglichkeit habt, einen Scenic Byway zu nutzen, dann solltet ihr diesem so oft es geht den Vorzug vor einer langweiligen Interstate geben!
Ihr werdet dafür belohnt mit tollen Panoramen, interessanten Straßenbauwerken oder einer vielfältigen Tierwelt.

Tipp: Eine Übersicht aller ausgewiesenen Scenic Byways findet ihr zum Beispiel hier.

Parken

Das Parken selbst funktioniert genau wie bei uns. Es ist allerdings äußerst ratsam, sich im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, wo man sein Fahrzeug während eines Besuchs oder Aufenthalts abstellen möchte:
Die Stundentarife von Parkhäuser können bei Spontanparkern recht hoch sein. Manche Parkhäuser bieten sogar nur einen Tagestarif, so dass auch ein kurzer Aufenthalt direkt 25 Dollar oder mehr kosten kann.
Mit Anbietern wie z.B. SpotHero oder Parking.com (gibt es beide natürlich auch als App) kann man nicht nur die Preise der Parkhäuser im Zielgebiet vorab vergleichen, man kann auch direkt einen Stellplatz buchen, (per Paypal oder Kreditkarte) bezahlen und bekommt so den Stellplatz teilweise für ein Viertel des üblichen Stundentarifs!
Das Buchen ist sogar noch kurz vor der Einfahrt möglich, so dass man trotzdem spontan günstig parken kann.

Tanken

Das Tanken, genauer gesagt das Bezahlen unterscheidet sich grundlegend von unserem in Deutschland gewohnten Vorgehen.
In den USA sind Zapfsäulen grundsätzlich gesperrt und man muss diese vor dem Tankvorgang beim Kassierer für einen gewissen Betrag „freischalten“ lassen.

Das heißt: man fährt mit seinem Fahrzeug an eine Zapfsäule, geht rein zum Kassierer und sagt ihm, für wie viele Dollar man an dieser Säule welchen Kraftstoff tanken möchte. Anschließend bezahlt man den entsprechenden Betrag und der Kassierer gibt die Säule für diesen Betrag frei.
„Volltanken“ kann man, indem man dem Kassierer einfach ausreichend Bargeld (oder eine Kreditkarte) hinterlegt und „Fill up“ sagt. Nach dem Tanken geht man dann wieder rein und holt sein Restgeld ab (oder zahlt mit der Kreditkarte). Total umständlich, oder?

Tatsächlich empfanden und empfinden wir das Tanken mit dieser Methode immer wieder als echt lästiges, aber notwendiges Procedere und so richtig warm sind wir bis heute nicht damit geworden.


Glücklicherweise hat aber der technische Fortschritt für Erleichterung gesorgt, so dass ihr den letzten Absatz getrost direkt wieder vergessen könnt!
Inzwischen sind praktisch alle Zapfsäulen mit eigenen Kreditkartenterminals ausgestattet:
Kreditkarte rein, PIN eingeben und soviel tanken wie man möchte. Fertig!

Mietwagen sind in den USA fast ausnahmslos mit Benzinmotor ausgestattet- ja, auch die großen, schweren SUV! Lediglich Lkw und einige wenige Pickups fahren mit Diesel.
Benzin heißt in den USA an der Zapfsäule Regular oder Unleaded. Bei Benzin gibt es wie bei uns auch teurere Premiumkraftstoffe mit höheren Oktanzahlen. Im Gegensatz zu unseren Tanksäulen mit verschiedenen Zapfpistolen für Super, E10, SuperPlus oder Ultimate, haben amerikanische Säulen lediglich eine Zapfpistole für Ottokraftstoffe und man wählt die gewünschte Sorte über große Drucktaster aus. Hier ist es vollkommen ausreichend, für euren Mietwagen die günstigste Variante Regular zu verwenden.

Apropos „tanken soviel man möchte“:

Imperiales System

Das Tankvolumen wird in den USA nicht in Litern, sondern in Gallonen gemessen. Als Richtwert kann man sich merken:

1 Gallone ≈ 4 Liter

(3,78541 Liter, wer es ganz genau wissen möchte)

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass man den Dollarpreis pro Gallone einfach durch 4 teilt, dann hat man den ungefähren Literpreis.

Interessanterweise rechnen die Amis den Verbrauch eines Fahrzeug auch nicht in

Kraftstoffmenge /Strecke (also wie bei uns üblich: Liter pro 100km),

sondern in

Distanz /Gallone (also wie weit man mit einer Gallone Sprit kommt).

Aber auch hier hilft uns wieder die moderne Technik, denn außer an der Zapfsäule habt ihr mit Gallonen gar nichts zu tun: alle Mietwagen können in den Einstellungen auf Metrisches System umgestellt werden, so dass am Tachometer die Geschwindigkeit sowohl in km/h, als auch der Verbrauch in L/100km angezeigt werden kann.

Entfernungen werden in den USA bekanntermaßen nicht in Kilometern, sondern in Meilen gemessen:

1 Meile ≈ 1,6 Kilometer

25 MPH = 40 km/h
35 MPH = 56 km/h
55 MPH = 88 km/h
65 MPH = 104 km/h
75 MPH = 120 km/h
80 MPH = 128 km/h

Geschwindigkeitsüberschreitungen werden durch die Polizei streng verfolgt, aber eine gewisse Toleranz ist vorhanden. Als ungeschriebene Regel ist folgender Satz bekannt:

„EIGHT: you’re great,
NINE: you’re mine!“

Frei übersetzt bedeutet das: ab neun Meilen Überschreitung seid ihr reif und gehört der Polizei.

Polizeikontrollen

Sollten also bei einem hinter euch fahrenden Streifenwagen die Signalleuchten und ein kurzer Sirenenton angehen, will die Polizei euch kontrollieren. Sucht deshalb nach einer Möglichkeit, am Fahrbahnrand anzuhalten und signalisiert den Beamten durch Rechtsblinken, dass ihr der Aufforderung zum Anhalten nachkommen werdet.

Wenn ihr dann angehalten habt:

  • Fahrerfenster öffnen
  • Motor ausschalten
  • BEIDE Hände am Lenkrad lassen
  • auf Ansprache durch den Polizeibeamten warten

Auf KEINEN FALL sollte man unaufgefordert in z.B. Handschuhfach oder der Mittelkonsole nach Fahrzeugpapieren oder Führerschein kramen – insbesondere nicht dann, wenn sich der Polizeibeamte dem Fahrzeug nähert. Dies könnte von diesem als unklare, bedrohliche Handlung wahrgenommen werden, denn er weiß ja nicht, wonach ihr greifen möchtet!

Verkehrsregeln USA und Unterschiede zu Deutschland

Damit ihr aber gar nicht erst in die Gefahr eines unbeabsichtigten Verkehrsverstoßes kommt, haben wir hier für euch einige Verkehrsregeln und wichtige Unterschiede zur deutschen Straßenverkehrsordnung aufgelistet.

Die meisten in Deutschland gelernten Verkehrsregeln lassen sich analog auch auf die USA übertragen, allerdings gibt es einige, teils wichtige Unterschiede, die man kennen sollte.

Ampeln

Der erste Unterschied ist optischer Natur und fällt sofort ins Auge: Die Ampeln sind nicht wie bei uns direkt auf Höhe der Haltlinie, sondern befinden sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Bei kleineren Kreuzungen befindet sich manchmal auch ein einzelnes Ampelkreuz genau über der Kreuzungsmitte.

Eine „Rot-Gelb-Phase“, die den Übergang zwischen Rot und Grün anzeigt, gibt es in Amerika nicht- die Ampel springt direkt von Rot- auf Grünlicht.

An Kreuzungen und Einmündungen darf man auch bei roter Ampel nach rechts abbiegen, es sei denn, es wird ausdrücklich mit dem Zusatzschild NO TURN ON RED untersagt. Hierbei ist selbstverständlich querendem Fahrzeugverkehr und Fußgängern Vorrang zu gewähren!

Stoppzeichen

Die Grundfunktion des Stoppzeichens ist genau wie bei uns: Man sieht es, man steht einen Moment, man guckt, ob die Straße frei ist und fährt weiter. Soweit so gut.


An manchen Kreuzungen befindet sich allerdings an jeder der Zufahrtstraßen ein Stoppschild mit dem Zusatz ALL-WAY oder 4-WAY und hier gibt es eine recht praktische und einfache Regel:

Wer zuerst kommt, fährt auch wieder zuerst!

Und man soll es kaum glauben: das funktioniert erstaunlich gut – selbst dann, wenn an jeder Ecke ein Auto kommt. Jeder verlässt sich auf den anderen und jeder weiß, wann er dran ist und alle können ihren Weg zügig weiter fortsetzen.

KEIN Rechts-vor-Links!

Dies ist ein wichtiger Unterschied, den ihr auf jeden Fall beachten müsst, denn er hat Auswirkungen auf euer tägliches Vorwärtskommen und würde bei „deutschem“ Verhalten an Einmündungen und Kreuzungen mindestens für Unverständnis, wenn nicht sogar Gefährdung des euch folgenden Fahrzeugverkehrs führen:

In Amerika gibt es KEIN RECHTS VOR LINKS!

Steht an einer Einmündung oder Kreuzung für euch kein Verkehrszeichen (Stoppschild, „Vorfahrt achten“), müsst ihr von rechts kommende Fahrzeuge NICHT vorlassen!
Im Gegenteil: ihr seid auf der Vorfahrtstraße. Merkt euch also:

Kein Verkehrszeichen? Freie Fahrt!

KEIN grundsätzliches1 Rechtsfahrgebot! Rechts überholen zulässig!

Auf amerikanischen Straßen gibt es kein Rechtsfahrgebot. Das bedeutet, ihr seid tatsächlich völlig frei in eurer Fahrstreifenwahl – auch ganz links! In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass das Überholen sowohl rechts, als auch links zulässig ist!
Deshalb solltet ihr bei jedem Fahrstreifenwechsel mit Schulterblick kontrollieren, ob die Spur auch tatsächlich frei ist.

1: in manchen Staaten oder Bezirken gelten Sondervorschriften auf die ggfs durch Gebots- oder Verbotszeichen am Straßenrand hingewiesen wird!

Verkehrszeichen generell

Warnschilder


Warnschilder sind gelb und weisen euch mit einem Symbol oder einer geschriebenen Aussage auf die jeweilige Gefahr hin.

Baustellenbeschilderung


Baustellenbeschilderung ist grundsätzlich orange. Baustellen werden immer recht umfangreich abgesichert und die Beschilderung kann man tatsächlich nicht übersehen!
In ausgewiesenen Baustellenbereichen werdet ihr regelmäßig mit einem Warnschild darauf hingewiesen, dass bei Verkehrsverstößen sämtliche Bußgelder automatisch verdoppelt werden, wenn zum Zeitpunkt des Verstoßes Bauarbeiter auf der Baustelle sind.

Regulatorische Verkehrszeichen


Diese sind in der Regel weiß oder rotweiß und machen euch auf eine Vorschrift aufmerksam, z.B. auf ein Tempolimit oder Überholverbot (DO NOT PASS).

Pool Lanes

Pool Lanes gibt es auf Highways oder Interstates in der Regel in verkehrsdichten Gebieten, wie z.B. Großstädten. Die einfache Regel hierbei ist: ist man mindestens mit der auf dem Schild genannten Anzahl von Personen im Fahrzeug, darf man die Car Pool Lane (Fahrgemeinschaftsspur) befahren. Damit „belohnen“ die Verkehrsplaner Fahrgemeinschaften auf dem täglichen Weg zur Arbeit.

Schulbusse

Jeder kennt die ikonischen, amerikanischen Schulbusse mit der gelben Lackierung und der auffälligen Beschriftung.
Der Schutz von Kindern hat im amerikanischen Straßenverkehr einen sehr hohen Stellenwert, deshalb sollte man sich im Bereich eines Schulbusses immer an sämtliche Verkehrsregeln halten.

Die wichtigste Regel ist jedoch:

wenn an einem Schulbus die roten Lampen blinken und die seitlichen Stoppschilder ausklappen,
dann heißt das tatsächlich Stopp! Für ALLE Spuren und jedes Fahrzeug – auch den Gegenverkehr!

Tempolimits

Die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind in den USA nicht einheitlich geregelt und unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Natürlich lernt niemand eine umfassende Tabelle mit sämtlichen Tempolimits auswendig, aber bei der Roadtripplanung könnten grobe Richtwerte durchaus hilfreich sein.
Für die Zeit vor Ort empfehlen wir euch das, was wir auch tun: wir achten so gut es geht auf die Schilder- alles andere macht schlicht keinen Sinn.

Bundesstaat:Freeway:Außerorts:Innerorts:
Alabama:706525
Alaska:656525
Arizona:756525
Arkansas:756530
Colorado:756535
Connecticut:655040
Delaware655035
District of Columbia:25
Florida:706050
Georgia:705545
Hawaii:606025
Idaho:807035
Illinois:705530
Indiana:705530
Iowa:705525
Kalifornien:706530
Kansas:756530
Kentucky:705545
Louisiana:755545
Maine:755525
Maryland:705525
Massachusetts:655530
Michigan:756525
Minnesota:706030
Mississippi:705525
Missouri:706540
Montana:807025
Nebraska:756525
Nevada:807030
New Hampshire:705530
New Jersey:705535
New Mexico:757055
New York:655545
North Carolina:705535
North Dakota:757055
Ohio:705535
Oklahoma:806525
Oregon:707025
Pennsylvania:705535
Rhode Island:655025
South Carolina:705530
South Dakota:806545
Tennessee:706535
Texas:857530
Utah:806535
Vermont:655550
Virginia:705535
Washington:706550
West Virginia:705555
Wisconsin:705535
Wyoming:807030

Alle Werte in MPH. Diese Übersicht dient nur der Veranschaulichung und bietet keine Gewähr auf Vollständig- oder Richtigkeit.